Oranienbaum

Ensemble aus Stadt, Schloss und Park

Oranienbaumer Heide

Nationales Naturerbe und ein Glücksfall für den Naturschutz

Nicht trotz der langen militärischen Nutzung sondern deswegen: Bald nach dem Rückzug der letzten GUS-Streitkräfte vom Truppenübungs­platz Oranienbaumer Heide wurde sichtbar, welcher Naturschatz sich durch diese besondere Form der Landnutzung dort erhalten und ent­wickeln konnte. Eine rund 800 ha große Offenlandschaft mit reichen Vorkommen an sensiblen Lebensräumen und teils seltenen Tier- und Pflanzenarten öffnete sich den interessierten Betrachtern. Ein Glücks­fall für den Natur- und Landschaftsschutz im Land, den es zu sichern und zu entwickeln galt, sprich: biotoperhaltend und naturraumange­passt zu nutzen. Das Ergebnis, ein beispielhaft gemanagtes Bewei­dungsprojekt unter Federführung der Hochschule Anhalt (Fachbereich Landwirtschaft, Naturschutz, Ökotrophologie), zusammen mit der Biosphärenreservatsverwaltung Mittelelbe, Flächeneigentümern, Naturschutzbehörden und weiteren Partnern.

Die „Mittlere Oranienbaumer Heide“ ist Teil des Biosphärenreservats Mittelelbe, eine gesamt rund 2.000 ha große, geschützte Heide- und (Pionier-)Waldlandschaft zwischen Dessau, Jüdenberg und Oranien­baum-Wörlitz. GUS-Streitkräfte hinterließen 1992 eine durch militäri­sche Nutzung überprägte, fast gehölzfreie Offenlandfläche mit vielen Rohbodenstellen sowie bereits großflächigen Sand-Heide-Biotopen (jedoch auch treibstoffgetränkte, verdichtete Böden und Munition). Günstig wirkte sich zudem aus, dass militärisches Gelände von intensiver ziviler Landnutzung (Straßenbau, Zersiedlung) verschont blieb. Eine einzigartige Biotop- und Artenvielfalt entwickelte sich weit­gehend ungestört. Die Oranienbaumer Heide erwies sich in Untersu­chungen als das artenreichste Gebiet in Sachsen-Anhalt. Hier wurden einige Arten nachgewiesen, die nur noch an diesem Ort vorkommen, z.B. Ästiger Rautenfarn und Sonnenröschen-Würfel-Dickkopffalter, zu­dem eine große Anzahl Vogelarten, die das typische Offenland als Le­bensraum bevorzugen z.b. Wiedehopf , Ziegenmelker, Heidelerche.

Dennoch drohte dem Naturraum Beeinträchtigung, denn natürliche Sukzession (u.a. Verbuschung, Einwanderung gebietsfremder Arten) verschlechterte bald nach dem Aufgeben der Oranienbaumer Heide als Truppenübungsplatz die geschützten Lebensräume. Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinien der Europäischen Union zwangen daher zum Handeln. Beweidungsprojekte im benachbarten Land Brandenburg ga­ben schließlich jenes praktische Beispiel, das 2008 zum Projektstart "Strategien zum Erhalt und zur Entwicklung von FFH-Offenlandlebens­räumen auf ehemaligen Truppenübungsplätzen" führte.

Die eingesetzten Nutztiere, Heckrinder und Konikpferde, sind wider­standsfähig, erfordern geringen Betreuungsaufwand und können das ganze Jahr über draußen verbleiben. Das macht sie zu geeigneten „Landschaftspflegern“ für eine Ganzjahresstandweide. Rund 140 Nutz­tiere stehen derzeit auf  rund 800 ha Weidefläche. Ihr arttypisches Ver­halten (Wälzen, Fraß, Huftritt) trägt dazu bei, ungewünschten Auf­wuchs von Gehölzen und dominanten Gräserarten, zu unterbinden, die Offenhaltung der Landschaft so auf naturnahe Weise zu erreichen. Die Nutztiere leben von dem, was sie an Nahrung vorfinden. Nur bei Ex­tremwetterlagen, z.B. hoher Schneedecke, wird Heu zugefüttert. Das hochwertige Fleisch der Weidetiere wird regional vermarktet. Eine ge­winnorientierte Tierhaltung steht jedoch nicht im Vordergrund, sondern vielmehr der Erhalt der halboffenen Weidelandschaft nach natur­schutzfachlichen Vorgaben und zugleich die ökonomische Tragfähig­keit des Projektmanagements über viele Jahre.

Das Projekt wird u.a. von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt im Rahmen eines Forschungsprojekts gefördert. Wissenschaftliche Be­gleitung, Kontrollen der Tiergesundheit, ein beschilderter Auenpfad und regelmäßige öffentliche Führungen ins Gebiet tragen zur Akzep­tanz, respektive zum Gelingen des Projekts bei.

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